Was passiert, wenn Bewegung, Körpergefühl, mentale Stärke und Hochleistungssport aufeinandertreffen? Genau darum geht es in dieser AmygdaBLA-Folge mit Regine Mispelkamp.
Regine ist selbstständige Pferdewirtschaftsmeisterin, Diplomtrainerin des DOSB, international erfolgreiche Paradressurreiterin, Keynote-Speakerin, Autorin und aktive Sprecherin der Paradressur. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, musste sich nach der Diagnose Multiple Sklerose neu ausrichten und ist heute im internationalen Paradressursport erfolgreich.
In dieser Folge sprechen Kevin Grafen und Regine Mispelkamp darüber, was es bedeutet, als Para-Athletin auf höchstem Niveau zu trainieren, wie körperliche Herausforderungen den Alltag und den Sport beeinflussen können und warum Leistung nicht immer bedeutet, gegen den Körper zu kämpfen.
Manchmal bedeutet Leistung auch, den Körper besser zu verstehen.
Und genau da wird es für AmygdaBLA spannend: Reiten ist nicht nur Technik, Kraft oder Disziplin. Es ist Kommunikation, Wahrnehmung, Vertrauen, Timing, Körperkontrolle und Nervensystem in ziemlich hoher Auflösung. Also quasi Neurotraining auf vier Beinen. Nur mit mehr Stallarbeit.
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Wer ist Regine Mispelkamp?
Regine Mispelkamp ist im Pferdesport zu Hause, seit sie denken kann. Ihre Eltern hatten selbst Pferde und nahmen Regine und ihre Schwester früh mit in den Stall. Die ersten eigenen Reitversuche begannen bereits im Kindesalter, zunächst spielerisch, später zunehmend sportlich.
Aus dem Hobby wurde ein Beruf. Heute arbeitet Regine als selbstständige Pferdewirtschaftsmeisterin und betreibt einen Turnier- und Ausbildungsstall. Dort geht es nicht nur darum, Pferde zu reiten, sondern sie auszubilden, Menschen im Umgang mit Pferden zu schulen und die Verbindung zwischen Reiter und Pferd zu entwickeln.
Denn Reiten ist deutlich mehr als „draufsetzen und los“. Ein Pferd muss gepflegt, bewegt, vorbereitet und verstanden werden. Box, Fütterung, freie Bewegung, Hufe, Sattelzeug, Training und Nachversorgung gehören genauso dazu wie der eigentliche Ritt.
Wer denkt, Reiten sei einfach nur 35 Minuten auf dem Pferd sitzen, hat den Stallalltag ungefähr so verstanden wie ein Goldfisch die Steuererklärung.
Was ist Paradressur?
Paradressur ist Dressurreiten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Dabei treten Para-Athleten in unterschiedlichen Grades an. Diese Grades richten sich nach dem Ausmaß der Einschränkung.
Regine erklärt im Gespräch, dass der Weg in den internationalen Parasport über einen Klassifizierungsprozess läuft. Ärzte prüfen Unterlagen und Einschränkungen. Danach wird der Athlet einem Grade zugeordnet.
Bei neurologischen Erkrankungen wie MS kann dieser Status immer wieder überprüft werden, weil sich Symptome verändern können. Bei Regine bedeutet das: Ihre Leistungsfähigkeit, Koordination und körperliche Ansteuerung müssen immer wieder neu betrachtet werden.
Im Wettkampf selbst geht es um Präzision, Harmonie und technische Ausführung. Das Dressurviereck ist der genormte Bereich, in dem Pferd und Reiter ihre Aufgabe zeigen. Je nach Anforderung gibt es unterschiedliche Größen, etwa 20 mal 40 oder 20 mal 60 Meter. An bestimmten Buchstaben im Viereck müssen definierte Lektionen ausgeführt werden.
Bewertet wird nicht Geschwindigkeit, sondern Qualität. Richter vergeben Punkte, und daraus entsteht das Ergebnis. Kurz gesagt: Man reitet nicht einfach irgendwie hübsch im Kreis. Es ist eher wie ein hochkomplexes Bewegungskonzert mit ziemlich kritischer Jury.
Reiten als Zusammenspiel von Mensch, Pferd und Nervensystem
Ein zentrales Thema der Folge ist die Beziehung zwischen Mensch und Pferd.
Regine beschreibt, dass ein Pferd kein „Schoßhund“ ist. Pferde sind groß, kräftig, sensibel und haben ein starkes Eigenleben. Sie sind Fluchttiere und reagieren fein auf ihre Umgebung und auf den Menschen.
Gerade deshalb ist Reiten aus neurozentrierter Sicht so interessant. Der Reiter muss nicht nur Zügel benutzen, sondern über Sitz, Schenkel, Hände, Spannung, Timing und Wahrnehmung kommunizieren. Regine beschreibt die Hilfengebung als komplexes Zusammenspiel von rechter und linker Körperseite, von diagonalen Verbindungen und feinen Signalen.
Das Pferd braucht einen Rahmen, in dem es sich bewegen und balancieren kann. Gleichzeitig ist der Reiter mitverantwortlich dafür, wie gut das Pferd seinen Körper organisieren kann.
Diese Idee passt hervorragend zum neurozentrierten Blick auf Bewegung: Gute Leistung entsteht nicht nur durch mehr Kraft oder mehr Wille, sondern durch bessere Kommunikation im System.
Beim Reiten sind das mindestens zwei Nervensysteme, die miteinander arbeiten müssen: Mensch und Pferd.
Diagnose MS: Wenn der Körper plötzlich anders reagiert
Ein wichtiger und sehr persönlicher Teil der Episode ist Regines Diagnose Multiple Sklerose.
Im Gespräch beschreibt sie MS als ihren Schicksalsschlag. Sie berichtet, dass die Diagnose sie zunächst massiv getroffen hat. Neben der emotionalen Belastung stand auch die Sorge im Raum, ob sie ihren Beruf langfristig weiter ausüben kann.
Regine beschreibt ihre MS als schubförmig. Sie berichtet von Entzündungsherden im Kopf und Rückenmark, die die Ansteuerung von Extremitäten oder Muskulatur erschweren können. Bei ihr zeigen sich die Einschränkungen vor allem durch Sensibilitätsstörungen, Kribbeln in den Füßen, veränderte Wahrnehmung, Neuralgien, muskuläres Zukrampfen und koordinative Auffälligkeiten.
Gerade im Sport ist das eine enorme Herausforderung. Denn Paradressur verlangt Präzision, Gefühl, Wiederholbarkeit, Koordination und körperliche Kontrolle.
Regine beschreibt aber auch, dass sie gelernt hat, sich mit der Krankheit zu arrangieren. Sie sagt nicht: Die Krankheit ist weg. Sie sagt sinngemäß: Sie gehört zu mir, aber sie soll mich nicht beherrschen.
Das ist ein wichtiger Unterschied.
Mentale Stärke: Nicht kämpfen um jeden Preis
Ein spannender Gedanke aus der Folge: Regine reitet nach eigener Aussage besser, seit sie sich mit ihrer Krankheit arrangiert hat.
Das klingt erst einmal paradox. Viele würden denken, Leistung entsteht vor allem durch Härte, Disziplin und „jetzt erst recht“. Disziplin spielt bei Regine definitiv eine große Rolle. Aber in der Folge wird deutlich: Es geht nicht nur um Kampf.
Regine beschreibt, dass sie genauer hinhört, mehr hineinfühlt und sich mehr Gedanken macht. Die Pferde spiegeln sie. Wenn sie schlecht drauf ist, zeigen die Pferde ihr das. Der Stall, die Pferde und das Training wurden für sie auch zu einem Ort, an dem sie sich sortieren kann.
Aus neurozentrierter Sicht ist genau das interessant: Leistung entsteht nicht nur über Druck. Leistung entsteht auch über Wahrnehmung, Regulation und Vertrauen.
Wer seinen Körper permanent übergeht, kann kurzfristig funktionieren. Langfristig braucht Hochleistung aber ein System, das mitarbeitet. Nicht eines, das man täglich zum Schweigen prügeln muss.
Paralympics, Tokio und Paris: Leistung mit besonderer Perspektive
Regine spricht in der Folge auch über ihre Erfahrungen bei den Paralympics.
Tokio war für sie ein besonderes Erlebnis. Durch die Verschiebung der Spiele hatte sie mehr Zeit, mit ihrem Pferd zu arbeiten. Sie beschreibt, dass nicht viele an dieses Pferd geglaubt hatten. Am Ende wurde es als jüngstes Pferd mitgenommen und kam mit einer Medaille zurück.
Auch das paralympische Dorf hat Regine stark geprägt. Sie beschreibt, wie sehr sie der Blick auf andere Athleten geerdet und demütig gemacht hat. Menschen mit unterschiedlichsten Einschränkungen bringen dort sportliche Höchstleistungen. Das verändert den Blick auf den eigenen Körper, auf Probleme und auf Leistung.
Paris war wiederum durch die Zuschauer eine andere Atmosphäre. Regine beschreibt den Moment kurz vor dem Start als fokussiert und positiv nervenaufreibend. Im sogenannten 10-Minuten-Viereck möchte sie keine Trainingsanweisungen mehr. Sie legt den Funk ab, blendet Außenreize aus und geht in den Fokus.
Das ist Spitzensport: vorbereitet sein, aber im entscheidenden Moment nicht mehr zerdenken.
Musik, Freestyle und Harmonie mit dem Pferd
In der Paradressur gibt es verschiedene Starts. Neben Einzel- und Teamwertungen gibt es auch den Freestyle, also die Kür nach Musik.
Hier müssen bestimmte Lektionen erfüllt werden, die Reihenfolge kann aber innerhalb der Vorgaben selbst gestaltet werden. Die Musik betont Grundgangarten, Lektionen und Ausdruck des Pferdes.
Regine beschreibt, dass die Pferde die Musik wahrnehmen. Bei ihrem Pferd Highlander habe sie das Gefühl, dass er genau weiß, was kommt und in seiner Musik aufgeht. Ein anderes Pferd, Bajala, bewegt sich eher leicht und tänzerisch und bekommt entsprechend eine andere musikalische Gestaltung.
Das zeigt sehr schön: Reitsport ist nicht nur mechanische Ausführung. Es geht um Rhythmus, Gefühl, Timing und ein gemeinsames Auftreten.
Im besten Fall wird aus Technik Harmonie.
Neurozentriertes Training im Leistungssport
Natürlich geht es bei AmygdaBLA auch um neurozentriertes Training.
Kevin und Regine arbeiten bereits länger zusammen. Ziel ist es, ihre Leistung zu unterstützen und körperliche Problemchen besser in den Griff zu bekommen. Regine beschreibt das neurozentrierte Training als wichtige Unterstützung. Sie sagt, es helfe ihr, vom Schmerzlevel wegzukommen, dass der Schmerz sie nicht so überrennt und dass sich alles im Kopf regulierter anfühlt.
Wichtig ist: Der Blogartikel macht daraus kein Heilversprechen. Aber er zeigt, warum neurozentriertes Training gerade im Leistungssport spannend sein kann.
Wenn Präzision, Wahrnehmung, Koordination, Gleichgewicht, Schmerzregulation und Körperkontrolle entscheidend sind, dann lohnt sich ein genauer Blick auf das Nervensystem.
Bei einer Sportart wie Paradressur wird das besonders deutlich. Hier reicht es nicht, einfach stärker zu werden. Entscheidend ist, wie gut Informationen verarbeitet werden, wie fein Bewegungen abgestimmt sind und wie stabil das System unter Druck bleibt.
Initiative 100 für 100: Mehr Sichtbarkeit für Paradressur
Neben ihrem eigenen Sport engagiert sich Regine mit der Initiative 100 für 100 für mehr Sichtbarkeit, Förderung und Perspektiven im Paradressursport.
Im Gespräch erklärt sie, dass es sie geärgert hat, wie wenig Informationen und Sichtbarkeit es für Parasport und Paradressur gab. Der Zugang soll leichter werden. Menschen sollen besser verstehen, was Paradressur ist und welche Möglichkeiten es gibt.
Ein zentrales Ziel ist die Förderung des Nachwuchses. Dazu gehören Strukturen in Landesverbänden, Sichtungstermine und Lehrgänge mit Top-Trainern. Die Idee: Nachwuchs im Paradressursport besser unterstützen, damit Deutschland auch langfristig an der Weltspitze bleiben kann.
Der Name 100 für 100 beschreibt den Grundgedanken: 100 Unternehmen unterstützen mit monatlich 100 Euro. Abgerechnet wird über die Stiftung Pferdesport, damit eine Spendenquittung möglich ist.
Regine betont außerdem, dass sich Interessierte auch in anderen Konstellationen einbringen können. Jeder, der unterstützen möchte, kann Kontakt aufnehmen.
Warum Sichtbarkeit im Parasport so wichtig ist
Ein starker Satz aus dem Gespräch: Viele Hemmungen liegen nicht bei den Para-Athleten, sondern auf der anderen Seite.
Menschen wissen oft nicht, wie sie mit Einschränkungen umgehen sollen. Aus Unsicherheit entsteht Distanz. Regine möchte diese Brücke schließen.
Ihr geht es darum zu zeigen: Para-Athleten sind Teil derselben Gesellschaft. Sie wollen mitgetragen werden, sichtbar sein und ihre Leistung zeigen.
Besonders wichtig ist auch ihr Hinweis, dass viele Menschen ihren Para-Status im Laufe des Lebens erwerben. Durch Unfälle, Erkrankungen oder andere Schicksalsschläge kann sich ein Leben plötzlich verändern.
Parasport ist deshalb nicht „die Welt der anderen“. Er zeigt, wie schnell sich Voraussetzungen ändern können und wie wichtig Strukturen, Unterstützung und Perspektiven sind.
Regine Mispelkamp als Keynote-Speakerin
Neben dem Sport ist Regine auch als Keynote-Speakerin aktiv. Sie spricht unter anderem über ihre Lebensgeschichte, Motivation, Fokus, Vertrieb, Selbstständigkeit, Leistung, paralympische Erfahrungen und den Umgang mit Herausforderungen.
Ihre Stärke liegt dabei in ihrer Authentizität. Wie sie selbst sagt: Sie muss nichts erfinden, weil es ihr Leben ist.
Gerade für Unternehmen, Teams und Veranstaltungen kann diese Perspektive wertvoll sein. Regines Geschichte verbindet Hochleistung, Rückschläge, Präzision, Selbstständigkeit, Mut und die Fähigkeit, nach vorne zu schauen.
Und manchmal braucht es genau solche Geschichten, um wieder daran erinnert zu werden, dass Leistung nicht nur aus perfekten Voraussetzungen entsteht.
Mehr über Regine Mispelkamp
Du findest Regine Mispelkamp hier:
Instagram: reginemispelkampsportlerin
Facebook: Regine Mispelkamp Sportlerin
LinkedIn: Regine Mispelkamp PLY
Homepage: www.mispelkamp.com
E-Mail: Rmispelkamp@web.de
Mobil: 0171 3868231
Initiative 100 für 100
Mit der Initiative 100 für 100 setzt sich Regine Mispelkamp für mehr Sichtbarkeit, Förderung und Perspektiven im Paradressursport ein.
Homepage: 100für100.de
Fazit: Leistung beginnt mit Wahrnehmung
Die AmygdaBLA-Folge mit Regine Mispelkamp zeigt eindrucksvoll, wie eng Bewegung, Wahrnehmung, mentale Stärke, Körpergefühl und Nervensystem miteinander verbunden sind.
Regines Geschichte ist keine platte Motivationsgeschichte nach dem Motto: Alles ist möglich, wenn du nur fest genug willst. Das wäre zu billig.
Ihre Geschichte zeigt etwas Tieferes: Leistung entsteht, wenn man bereit ist, ehrlich hinzuschauen. Auf den eigenen Körper. Auf Grenzen. Auf Möglichkeiten. Auf das, was reguliert werden muss. Und auf das, was trotz Einschränkungen möglich bleibt.
Paradressur ist dafür ein beeindruckendes Beispiel. Ein Mensch, ein Pferd, ein komplexer Bewegungsdialog, höchste Präzision und ein Nervensystem, das unter Druck funktionieren muss.
Wenn du wissen möchtest, wie Regine Mispelkamp ihren Weg in den Parasport gefunden hat, was sie über MS, Pferde, Paralympics, Training und Sichtbarkeit erzählt, dann hör in die vollständige AmygdaBLA-Folge rein.
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FAQ
Wer ist Regine Mispelkamp?
Regine Mispelkamp ist selbstständige Pferdewirtschaftsmeisterin, Diplomtrainerin des DOSB, international erfolgreiche Paradressurreiterin, Keynote-Speakerin, Autorin und aktive Sprecherin der Paradressur.
Was ist Paradressur?
Paradressur ist Dressurreiten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Die Athleten werden nach ihrer Einschränkung in unterschiedliche Grades eingeteilt und treten in entsprechenden Aufgaben an.
Welche Rolle spielt Multiple Sklerose bei Regine Mispelkamp?
Regine berichtet in der Podcastfolge von ihrer Diagnose Multiple Sklerose. Sie beschreibt unter anderem Sensibilitätsstörungen, Kribbeln, Neuralgien, muskuläres Zukrampfen und koordinative Herausforderungen.
Was hat Reitsport mit neurozentriertem Training zu tun?
Reitsport erfordert Wahrnehmung, Gleichgewicht, Koordination, Timing, Körperkontrolle und feine Kommunikation zwischen Reiter und Pferd. Genau diese Bereiche sind auch für neurozentriertes Training interessant.
Was ist die Initiative 100 für 100?
100 für 100 ist eine Initiative für mehr Sichtbarkeit, Förderung und Nachwuchsarbeit im Paradressursport. Ziel ist es, Strukturen aufzubauen, Nachwuchs zu unterstützen und den Zugang zum Parasport zu erleichtern.
Wie kann man Regine Mispelkamp kontaktieren?
Regine ist über Instagram, Facebook, LinkedIn, ihre Homepage, per E-Mail und telefonisch erreichbar. Die Kontaktdaten stehen im Blogartikel im Abschnitt „Mehr über Regine Mispelkamp“.
